Mittwoch, 20. August 2014

Die ersten Tage..

Hola!!
Zwar bin ich immer noch nicht in San Jose angelangt, dem Ort an dem ich für ein Jahr leben werde, aber immerhin bin ich mittlerweile in Bolivien!
Die letzten Tage waren wirklich aufregend, es war immer etwas los und Zeit zum wirklich Erholen hatte ich bis jetzt noch nicht.
Über eine Woche bin ich nun schon unterwegs - aber es fühlt sich viel länger an!

Am Montag, dem 11. August ging es um Mitternacht los, ab zum Flughafen in Frankfurt. Dort haben wir dann auch Sarah und ihre Familie getroffen und ca um 5 Uhr hieß es dann Abschied nehmen..
Dies ging sogar erstaunlich gut, es fühlte sich alles nicht real an,
die Erkenntnis, dass ich meine Familie und Freunde wirklich erst in einem Jahr wieder sehen werde kam dann erst als ich im Flugzeug saß und meine Abschiedsbriefe gelesen habe...

Nachdem mein Spanischlexikon als Flüssigkeit entarnt wurde, konnte es dann endlich losgehn!! :D
Von Frankfurt nach Lissabon und von dort in einem 10-stündigen Flug weiter nach Sao Paulo.
Während des Fluges habe ich meine Uhr auf brasilianische Zeit umgestellt - plötzlich war es wieder halb 9, die Zeit also von der wir aus Lissabon losgeflogen waren. Es war als hätten die 4 Stunden Flug, die wir hinter uns hatten, nicht stattgefunden - ein sehr seltsames Gefühl!
In Sao Paulo sollten wir eigentlich vom Flughafen abgeholt werden, da Rafael, der dortige Freiwillige, jedoch kein Auto bekommen hatte mussten wir kurzfristig ein Taxi nehmen.
Nachdem unser Fahrer erfahren hatte, dass wir aus Deutschland kommen, kam sofort lachend die Antwort "7:1" Tja, dieses Spiel wird Brasilien wohl so schnell nicht vergessen..:DD
Als wir dann beim Kovent angekommen waren - die Fahrt wurde uns durch den mehr oder weniger schönen Gesang unseres Fahrers versüßt - wurden wir gleich von Rafael begrüßt und bekamen noch eine kurze Hausführung.
Das Beste daran war eindeutig die Dachterasse des Konvents!! Hier haben wir einen ersten Eindruck von der schier unendlichen Größe der Stadt bekommen - nur Häuse, wo man auch hinschaut!!
Das war wirklich beeindruckend, vor allem für jemanden wie mich, dessen größte Stadt bisher Berlin war..

An den beiden nächsten Tagen haben wir zusammmen mit Rafael die Stadt erkundet.
Zunächst bei strahlendem Sonnenschein, Sarah und Ich haben sofort unsere kurzen Hosen ausgepackt, wurden deshalb jedoch von vielen etwas komisch angeguckt, da wir so ziemlich die einzigen mit kurzen Klamotten warn. Alle Einheimischen sind in langen Hosen, teilweise sogar Pullovern rumgelaufen während wir es tierisch heiß fanden.. ;)
Am nächsten Tag war es dann jedoch mit dem schönen Wetter vorbei und wir durften ein wenig richtiges paulistisches Winterwetter schnuppern. Es hat den ganzen Tag durchgeregnet, und diesmal haben auch wir uns dick eingemummelt und waren nicht mehr wirklich von den Brasilianern zu unterscheiden.
Das schöne war, dass wir durch Rafael, der ja schon seit einem Jahr in Sao Paulo lebt, nicht nur das touristische Sao Paulo, sondern auch die andere Seite ein bisschen kennenlernen konnten.
Natürlich haben wir ein paar "Muss" abgeklappert - wir haben uns die Kathedrale angeschaut, sind in einem der wenigen Parks Sao Paulos spazieren gegangen (richtig schön!!), haben uns in der Markthalle die Augen ausgeguckt und die tausend verschiedenen exotischen Früchte bestaunt, Fruchtsäfte genoßen, typisch brasilianisches Essen gekostet und sind durch die Avenida Paulista geschlendert. Auch sind wir auf ein Hochhaus gestiegen um einen Ausblick über die Stadt zu bekommen.
Das war echt der Wahnsinn, Hochhäuser soweit das Auge reicht und kein Ende in Sicht!
Da kommt man sich im Gegenzug so klein und unbedeutend vor..

Während unserer Besichtigungstour hat uns Rafael jedoch auch immer auf die große Armut aufmerksam gemacht. Was mich am meisten bewegt hat waren die vielen Obdachlosen, die man überall gesehen hat.
Vor allem auf großen Plätzen, wie z.B. vor der Kathedrale lagen richtig viele einfach auf dem Boden herum, nur in eine dünne Decke gewickelt. Manchmal war ich mir nicht mal sicher, ob sie nur schliefen oder tot waren, wenn sie ganz eng zusammengerollt unter ihrer Decke lagen, sodass nur noch die dreckigen, nackten Füße herausschauten. Und das schlimme ist, dass es für die Menschen dort schon total normal ist und sie ihnen keine weiteren Blicke schenken..
Wir konnten uns auch einmal das Obdachlosenprojekt von Rafael anschauen. Dieses findet jeden Tag nachmittags in einem alten Kino statt. Die Obdachlosen können hierher kommen und bekommen kostenlos Brot und Tee, außerdem finden immer wieder verschiedene Veranstaltungen statt, wie z.B. Kinoabende, Radio-stunden, in denen über die wichtigsten Neuigkeiten berichtet wird, oder auch einfach nur Gespräche.
Das Schöne ist, das dies die Obdachlosen zum Teil selber mitgestalten können, die Essensverteilung wird z.B. auch von einer Gruppe Obdachloser übernommen.
Rafael hat uns auch zu einer Favela geführt, der einzigen, die noch in der Stadt liegt, alle anderen wurden mit der Zeit an den Stadtrand getrieben.
Auch diese Favela ist von der Stadt nicht gern gesehen, allein im letzten Jahr hat es dort "zufälligerweise" 5 mal gebrannt..
Hinein konnten und wollten wir nicht gehen, dass wäre zu gefährlich gewesen, auch hätten wir uns dabei komisch gefühlt.
Wir haben sie uns jedoch von oben angesehen, da die Favela zwischen zwei Gleisen liegt und eine Brücke über sie hinwegführt. Ich finde vor allem den Kontrast zwischen den vielen kleinen, gedrückten und aus irgendwelchen Platten zusammengebastelten Hütten und den riesigen Hochhäusern direkt daneben so heftig. Für mich ist es unvorstellbar wie man als "Reicher" so arrogant gegenüber der unmittelbar sichtbaren Armut sein kann.

Am Donnerstag morgens sind wir dann weiter nach Santa Cruz geflogen.
Hier ist es wirklich wunderschön!!
Es ist richtig heiß hier und dass obwohl es Winter ist, ich will mir gar nicht vorstellen wie das im Sommer wohl erst sein wird..:)
Wir werden hier wahrscheinlich noch für ein paar Tage bleiben müssen, die endgültige Visumsbeantragung zieht sich hier ewig hin, dadurch dass alle möglichen Dokumente und Nachweise (wir mussten sogar ins Krankenhaus zur Untersuchung fahren) verlangt werden und das bolivianische Leben nicht gerade auf Pünktlichkeit beruht :D
Neben all dem Stress genießen wir es aber auch vor allem Anne (eine Mitfreiwillige von uns, die ihr Jahr in der Aldea in Santa Cruz verbringen wird) wiederzusehen und nutzen unseere freien Stunden um mit ihr und Kathi (einer anderen Freiwilligen) die Stadt zu erkunden.
Wir waren schon auf mehreren Märkten, auf denen wir Stunden verbracht haben, um all die verschiedenen exotischen Früchte zu bewundern und natürlich auch einige zu probieren ;)
Überall auf den Straßen kann man auch von Bolivianern geschobene Wägen finden, bei denen man sich total billig richtig leckeren Orangensaft frisch pressen lassen kann.
Als Sarah, meine Mitfreiwillige, Geburtstag hatte sind wir mit Anne und Kathi in einen botanischen Garten gefahren. Dort haben wir die Pflanzen bewundert, lange gepicknickt, gespielt
In der Aldea ist es auch wirklich klasse, auch wenn es mit meinem Spanisch noch nicht so gut klappt (die Leute hier verschlucken oft halbe Wörter, was die Sache noch verschlimmert), aber irgendwie kann man sich trotzdem verständigen und die Kinder sind zwar alle mega frech aber auch einfach zuckersüß.
Drei mal die Woche kann man hier auch Basketball abends spielen und der Trainer hat leider irgendwie Gefallen daran gefunden uns möglichst viel herauszufordern, sodass wir dannach nur noch tot ins Bett fallen.
Aber bei dem vielen leckeren Essen hier ist das wahrscheinlich ganz gut :DD
Auch mir meinem Casa (Haus) hier klappt es super. Ich komme dort immer zum Essen hin, und helfe dann meistens noch ein wenig mit, beim Kochen, Spülen, Putzen oder Hausaufgabenbetreuen und tolle mit den Kids herum. Letztens durft ich auch dabei helfen, Käseemapanadas zu machen - das ist gar nicht so einfach!!

Es gibt hier in der Aldea auch eine Kindergruppe für die ganz Kleinen, bei der wir mitgeholfen haben und wir sind auch einmal mit in eine Schule für Taubstumme Kinder gefahren, da ein 2-jähriges Mädchen, Paula Celeste, dass in Annes Casa ist, taubstumm ist. Das war mega interessant, wir durften uns bei den Klassen mit reinsetzten und konnten auch mithelfen. Was mich am meisten fasziniert hat zu sehen ist wie sich die Kinder trotz der nur sehr eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten unternander unterhalten, sich geärgert und gespielt haben, wie ganz normale Kinder.

Sao Paulo
Der erste Blick auf Südamerika

Der Kreuzgang des Konvents in Sao Paulo

Hochhäuser über Hochhäuser

Im Park mit Rafael

Mit Sarah ;)

Avenida Paulista

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Markthalle in Sao Paulo

Ausblick vom Hochhaus auf die verregnete Stadt
Santa Cruz
Auf dem Weg zu Aldea mit Anne

Frisch gepressten Orangensaft genießen :)

Santa Cruz

Die Post... mal gucken ob die Briefe ankommen :D

Auf dem Abasto - Markt



Unsere Einkäufe..;)

Im Botanischen Garten - noch war alles ruhig

Dann kam der Strauß..

Und wir saßen nicht mehr :D



Mit den Kids am Basketballplatz






6 Kommentare:

  1. Das hört sich alles toll an! leb' dich gut ein <3

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  2. toller blogeintrag und so lang!! bin stolz auf dich (und neidisch:P) :**

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  3. toller blogeintrag!! und so lang, bin stolz auf dich (und neidisch;P) :*

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  4. Hallo Hanna,
    wünsche Dir einen guten Start und eine gute Zeit in Südamerika!!!

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  5. Ja Servus Hanna, dir scheint es ja richtig gut zu gehen. Schön zu lesen, das du wohlbehalten an deiner Wirkungsstätte angekommen bist. Bin mal wieder total begeistert, mit welcher Leidenschaft meine lieben Nichten von ihren Auslandseindrücken teilhaben lassen. Echt Bockstark !!! Und was man da noch alles so gratis beigebracht bekommt ! So wußte ich zunächst nichts mit dem Begriff " paulistisches Winterwetter " anzufangen, hab mir dann aber den Sinn aus deinen weiteren Beschreibungen erschlossen. Dank der tollen Bilder fühlt man sich jetzt schon so, als sei man mit dabei. Danke und Hut ab für deine mutigen Taten. Ich hoffe, ihr kommt mit dem Klima zurecht und erspart euch jegliche Durchfallerkrankungen, was ja durchaus möglich wäre, bei dem Früchte - Genasche, von dem du erzählst. Gibt es gar einen Trick, sich davor zu bewahren oder ist man nur Obst und Gemüse, welches man sowieso zuvor schälen muß ? Gehab dich wohl und liebe Grüße auch an deine Freundin Sarah, Didi

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  6. Hey Hanna, ich weiß ja nicht warum, aber die Uhrzeit stimmt nicht mit der unsrigen überein. Ich schrieb um 12:05 Uhr. Hab ich dich etwa jetzt vielleicht mit 6-stündiger Zeitverschiebung geweckt. Dies macht hoffentlich nichts. Gruß Didi

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