Wir haben es endlich geschafft!! Seit ca 2 Wochen bin ich
offiziell für ein Jahr Bürgerin Boliviens. Endlich haben wir den ganzen
Visumsstress hinter uns und unser Visum und unser Carnet (eine Art
bolivianischer Personalausweis) fest und sicher in der Tasche.
Das Leben hier in der Aldea geht wie gewohnt weiter. Bei
den Kindern steigt immer mehr die Vorfreude auf die großen Ferien. Sie beginnen
am 28 November und gehen dann bis Anfang Februar. Ich muss sagen ich bin schon
wirklich gespannt darauf, wie das wird!! Zum einen beginnt dann auch die
Regenzeit, zum andern werden sich unsere Aufgaben wieder ändern. Da in den
Ferien natürlich auch kein Kindergarten stattfindet, fällt diese Aufgabe für
uns weg, stattdessen sollen wir für die Kleineren eine Kindergruppe machen. Die
größeren Kinder werden in den Ferien tagsüber aufs Campo fahren (aufs Land, wo
die Aldea Rinder hält) und dort arbeiten, das wollen Sarah und ich unbedingt
auch mal ausprobieren.
Ich kann nicht glauben, dass seit meinem letzten
Blogeintrag schon wieder fast ein Monat um ist. Die Zeit vergeht hier wie im
Flug und ich fühle mich total wohl!! Ich merke immer wieder, dass es vor allem
die kleinen Augenblicke sind die mich hier so glücklich machen. Wie zum
Beispiel als meine Tia letztens am Vormittag Musik gehört hat und ich mit den
zwei Kleinen durchs ganze Haus getanzt bin und sie sich einfach nur
ausgeschüttet haben vor Lachen. Oder als
ich einen Nachmittag nicht zu Hause war und als ich zurück gekommen bin, haben
mich plötzlich alle umarmt und auf mich eingeredet und sich einfach gefreut
mich wiederzusehen. Wenn Franz, der Kleinste, wieder einmal in mein Zimmer
gelaufen kommt, sich mein Handy schnappt, ans Ohr hält und „telefoniert“. Als
es letztens geregnet hat und wir mit den Kindergartenkindern heimgerannt sind,
die Kinder mussten natürlich in alle Pfützen reinspringen die sie gefunden
haben, wir waren alle pitschnass aber haben einfach nur noch gelacht! Und als
wir die Kinder dann bei ihren Häusern abgeliefert haben, haben Sarah, Ivan und
ich uns noch eine Wasserschlacht geliefert, die damit geendet hat dass ich von
ihnen in eine Pfütze geschmissen wurde und von oben bis unten nass und
schlammig war und meine Tia mich einfach nur noch ausgelacht hat. Wenn morgens
wenn wir die Kindergartenkinder abholen plötzlich eines auf dich zu rennt, dich
umarmt und dir eine Blume in die Hand drückt. Oder als ich gestern beim
Sportplatz stand und mit ein paar gequatscht hab und plötzlich eins der älteren
Mädels von hinten gekommen ist und mich umarmt hat. Es gibt eigentlich jeden
Tag so kleine Momente, die mich einfach nur wahnsinnig glücklich machen!!
Als es mal wieder so heiß war haben Sarah und ich mit
unseren Casas eine Wasserschlacht veranstaltet. Wir hatten zuvor ganz viele
Wasserbomben und Gummihandschuhe mit Wasser gefüllt und dann ging es los.
Eigentlich war es als Wettkampf Haus gegen Haus gedacht aber am Schluss war es
eher ein Kampf jeder gegen jeden ;) Und als es keine Wasserbomben mehr gab
haben wir uns einfach mit Eimern und allen möglichen Behältern die wir gefunden
haben vollgeschüttet. Danach waren wirklich jeder klatschnass :D
An einem Abend hatten die Kindergartenkinder eine
Tanzaufführung und Sarah und ich haben den Tias angeboten mit den Kindern
hinzugehen, damit sie nicht noch mehr Arbeit haben. Jede Gruppe hat einen
eigenen Tanz aufgeführt auf typisch bolivianische Art mit ganz viel
Hüftgeschwinge :D Es war so süß den Kindern dabei zuzugucken und wenn man sie
tanzen sieht wundert man sich nicht mehr wieso alle Lateinamerikaner so gut
tanzen können! Die lernen das einfach von klein auf, da wird man echt neidisch
;) Von uns haben 8 Kinder mit gemacht und Sarah und Ich waren so stolz auf
unsere Kleinen und sind jedes Mal halb ausgeflippt wenn einer von uns dran war.
Das hat man uns wohl auch angesehen, wir wurden nämlich danach gefragt ob das
unsere Kinder seien :D
Natürlich läuft nicht immer alles perfekt. Wir haben vor
diesem Jahr in unseren Vorbereitungsseminaren viel über das Gefühl der Ohnmacht
und Hilfslosigkeit gesprochen und das habe auch ich mittlerweile zu Genüge
kennen gelernt. Es ist manchmal wirklich zum Verzweifeln wenn die Kinder nur
Schmarrn machen, sich gegenseitig ärgern bis sie heulen und einfach nicht auf
dich hören. Da kann man machen was man will, versuchen vernünftig mit ihnen zu
reden, ihnen drohen, anschreien, nichts hilft. Sie haben in der Hinsicht
einfach keinen Respekt vor mir. Das liegt vor allem auch daran, dass ich nicht
schlage. Geschlagen wird hier in allen Häusern und zwar nicht nur mal einen
Klaps auf den Hintern, sondern mit Seil und Peitsche. Das ist für mich nicht so
einfach damit umzugehen, da ich eigentlich von Schlagen gar nichts halte! Ich
habe mich über dieses Thema schon länger mit meiner Tia unterhalten und sie hat
mir erklärt dass die Kinder vor etwas anderem einfach keinen Respekt haben.
Klar gibt es hier auch normale Strafen, wie das sie abends nicht zum Sportplatz
dürfen oder mehr putzen müssen, aber das einzige was auf Dauer hilft ist laut
ihr das Schlagen. Man darf natürlich nicht vergessen, dass die Kinder hier alle
aus schwierigen Verhältnissen kommen und die Hausmutter alleine mit 10 Kindern
zu Recht kommen muss. Das ist wirklich eine Heidenarbeit!! Für mich kann das
Schlagen trotzdem nicht die richtige Lösung sein, ich weiß aber nicht ob ich
daran hier viel ändern kann. Was mir aufgefallen ist, ist dass sich die Kinder
auch gegenseitig so viel schlagen. Ich gehe immer dazwischen und hoffe, dass
ich dadurch dass ich nicht schlage den Kindern ein Vorbild bin, ihnen zeigen
kann dass es auch ohne geht und sie mit der Zeit dazu animiere weniger zu
schlagen.
Ein anderer Vorfall hat mich auch ein wenig aus meinem
Alltag rausgerüttelt. Ein Junge aus meinem Haus hat mir mein gesamtes bolivianisches
Geld geklaut. Ich habe das meiste davon wieder bekommen, aber es war wirklich
eine schwierige Situation für mich. Ich hätte damit einfach nie gerechnet und ein Stück Vertrauen das ich in
meine Kinder hatte ist auf jeden Fall weg. Ich denke ich muss jedoch einfach
verstehen, was für eine große Versuchung das Geld auf die Kinder ausübt, die ja
selbst keines besitzen. Der Junge hatte sich zum Beispiel von dem Geld
Süßigkeiten, Haargel und Parfum gekauft. Auch darf ich nicht vergessen, dass ich
eben doch nicht bei mir zu Hause sondern in einem Kinderheim lebe. Auch meine
Tia sperrt ihr Zimmer wenn sie das Haus verlässt immer ab, das muss ich in
Zukunft jetzt wohl auch machen.
Es ist nach wie vor wahnsinnig heiß hier, nur wenn es
regnet kühlt es etwas ab. Vorweihnachtliche Stimmung haben wir daher bis jetzt
noch nicht und es ist für mich schwer vorstellbar, dass es in Deutschland kalt
ist und bald die Adventszeit kommt. Es fühlt sich für mich eher wie mitten im
tiefsten Sommer an ;)
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| Auf dem Weg zur Tanzaufführung mit Angel |
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| Miriam ;) |
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| Holland gegen Deutschland - unsere Kids warn leider Holländer |
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| Natalia als Kandidatin für die Wahl der Primavera |
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| Apfel und Orangentauchen |
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| Kein Apfel aber dafür viel Wasser wurde geschluckt :D |
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| Unser Direktor |
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| Wäscheklammerfangen |
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| Natalia bei ihrer Kommunion - man kam sich vor wie bei einer Massenhochzeit |
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| Mit Natalia, Marco und Laura |
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| Mario und Franz |
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| Gabriel und Fernanda |
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| Vorlesestunde ;) |
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| Die Kids beim Fernsehschaun - oder Schlafen :P |
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| Seifenblasen..:D |
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| Gabriel und Mario |
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| Dia de la Tradicion |
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| typisch chiquitanische Tracht |
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| Die Plaza mit der Jessuitenkirche |
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| Mario, Franz und meine Tia |