Ich sitze gerade vor meinem Haus, da es hier immerhin ein
wenig kühler als in meinem einer Sauna ähnelndem Zimmer ist, höre Musik und
lasse mich von einem meiner Mädels, Natalia, frisieren.
Seit meinem letzten Blogeintrag ist schon wieder ein Monat
vergangen, die Zeit verfliegt einfach nur so. In der Zwischenzeit ist schon
wieder so viel passiert.
Zum einen hatten wir unser „Halbjähriges“, ich bin jetzt
mittlerweile schon seit über einem halben Jahr hier am andern Ende der Welt –
kaum zu glauben!!
Vom 01.02 bis zum 07.02 hatte ich mein Zwischenseminar.
Es war so schön all die andern Freiwilligen und vor allem auch Klaus und Ewa
(zwei unserer Leiter) wiederzusehen und zu sehen, wie sie sich alle verändert
haben. Die meisten hatte ich ja schon seit über einem halben Jahr nicht mehr
gesehen gehabt!
Das Seminar ging über eine Woche und hat in Tarata, einem
kleinen Dorf in der Nähe von Cochabamba, in einem wunderschönen Kloster
stattgefunden. Neben zwei Ausflügen nach Cochabamba, bei denen wir uns die Projekte
der Freiwilligen dort anschauen konnten, durch die Stadt gebummelt sind,
shoppen waren, den Christo bestiegen und den Flair der Stadt genossen haben,
haben wir die Zeit vor allem zum Reden genutzt. Wir hatten Gelegenheit einfach
mal zu reflektieren was im letzten halben Jahr eigentlich so alles passiert
ist, an schönen wie auch an unschönen Ereignissen, über alles zu reden,
Probleme zu besprechen und zu diskutieren und sich über alles auszutauschen. Es
war wirklich eine wunderschöne, interessante und auch sehr intensive Woche, bei
der ich vor allem auch gemerkt habe, wie glücklich ich mich schätzen kann, dass
es mir hier in meinem Projekt so gut geht und ich außer kleineren Problemen nie
größere Schwierigkeiten hatte. Das ist wirklich keine Selbstverständlichkeit!
![]() |
| Die ganze Truppe :) |
| In Tarata |
| Beim Arbeiten |
| Am Christo in Cochabamba |
Nach dieser Woche mussten wir uns leider fürs Erste
wieder verabschieden, von einigen nur für ein paar Wochen, von anderen für ein
weiteres halbes Jahr. Zurück in die Aldea gekehrt sind Sarah und Ich aber
trotzdem noch nicht, stattdessen sind wir mit Marleen, einer anderen
Freiwilligen, noch eine Woche zusammen rumgereist und haben ein wenig den
Westen Boliviens kennengelernt. Das gleiche Land und doch so anders!!
Ich lebe ja im Osten Boliviens, im sogenannten Tiefland,
wo es immer grün und die meiste Zeit auch brütend heiß ist.
Unsere eine Woche Urlaub haben wir jedoch im Hochland
verbracht. Man merkt die Unterschiede sofort, zum einen ist die Landschaft ganz
anders, man ist viel höher, auf 3000 - 5000 Meter, die Berge sind kahler, es
wachsen andere Pflanzen, man trifft auf viel mehr Schafe, Esel und Lamas, die
Sprache verändert sich und man begegnet viel mehr Menschen, denen man die
indigene Herkunft ansehen kann.
Begonnen haben wir unsere Reise in La Paz, dem
Regierungssitz Boliviens. La Paz liegt mitten in den Bergen und besteht aus
einem Wirrwar aus Häusern die sich über verschiedene Hügelkuppen erstrecken.
Ich habe noch nie in meinem Leben so eine Stadt gesehen, mitten in einem Stadtteil
ragt plötzlich eine Bergflanke empor, es gibt kaum gerade Straßen, was dazu
führt das eine Stadterkundung, vor allem auch noch auf 3000-4000 Metern zu
einem wirklich anstrengenden und kräftezehrenden Vergnügen werden kann. Zum
Glück gibt es jedoch seit 1 Jahr mehrere Seilbahnen, die über La Paz
hinwegverlaufen und die verschiedenen Stadtteile verbinden. Die Bolivianer
nutzen sie um schnell und leicht zur Arbeit zu kommen, wir haben sie zum
Sightseeing verwendet J Ich
glaube wir sind fast 2 Stunden einfach nur hin und her gefahren und haben die
Aussicht bestaunt, bis es dann plötzlich angefangen hat zu regnen und zu
stürmen und wir plötzlich festgestellt haben, das Gondeln doch ziemlich
wackelige Gebilde sind und bei der nächsten Haltestelle lieber wieder
ausgestiegen sind..:))
Ansonsten haben wir vor allem das viele Kunsthandwerk
bestaunt, die wunderschönen Ledertaschen und bunten Stoffe. Da es wahnsinnig
kalt war, haben wir uns auch gleich mal mit Alpakapullis eingedeckt ;)
Für uns ein Highlight war auch der Besuch bei einem
Schweizer Restaurant wo wir köstliche Spätzle und Rösti gegessen haben –
Himmlisch :D
| wunderschöne Alpakapullis |
| Marleen :D |
| Blick auf La Paz von der Gondel aus |
Weiter ging es dann nach Copacabana. Die kleine Stadt
liegt am Titicacasee, dem zweitgrößten See Südamerikas und dem höchstgelegenen beschiffbaren
See der Erde. Es schaut einfach wunderschön aus: der tiefblaue glitzernde See,
eingebettet zwischen kahlen Hügelkuppen und im Hintergrund lassen sich
schneebedeckte Gipfel erahnen.
Am schönsten war der Ausflug zur „Isla del Sol“ (Sonneninsel).
Die Insel ist eine der heiligen Inseln, nach einer Inka-Legende setzte der
Schöpfergott Con Tici Wiracocha hier
seine Kinder Manco Capac und Mama Ocllo aus, die von dort auszogen um
das Inkareich zu gründen. Überall auf der Insel kann man die Spuren der Inkas
sehen. Wir sind mit einem Boot im Norden der Insel angelangt, haben mit einem
Führer alte Tempelruinen und heilige Felsen besucht und sind dann 4 Stunden
über die Kuppen bis zum Süden der Insel gelaufen. Eine wunderschöne Wanderung,
bei der man fast den ganzen Weg eine atemberaubende Aussicht auf den
Titicacasee hatte!
| Eine Cholita beim Holzsammeln |
| Inkaruinen |
Die letzte Etappe unserer Reise war der Karneval von
Oruro. Dieses Ereignis zieht jedes Jahr Tausende von Besuchern an und findet
über mehrere Tage hinweg statt. Dabei wird die Vertreibung des Teufels Wari durch die Göttin Ñusta durch verschiedene typisch
folklorische Tänze (wie z.B. Caporales, Mirenada, Tinku) und Riten dargestellt.
Die Tänzer, die oft ihr ganzes Leben daran teilnehmen, tragen die aufwendigsten
und farbenprächtigsten Kostüme, die von kurzen Röcken, Glitzer und Federn bis
hin zu Bärenkostümen reichen. Bei einigen Tänzen wie dem „Waka Waka“ tragen
die Frauen 12 schwere Röcke
übereinander und müssen damit mehrere Stunden lang tanzen!
Wir haben bei der „Entrada“, also der Eröffnung, am Faschingssamstag
zugeschaut und die Köstüme der Tänzer bewundert, den verschiedenen Tänzen
zugeschaut, an Schaumkriegen teilgenommen und uns von der guten Laune aller
Anwesenden anstecken lassen. Es war wirklich ein genialer Tag!!!
| Schaumkrieg :D |
| Becci und Ich |
| Sarah, Annika, Johanna, Becci, Ich, Michelle |
Die letzten zwei Tage Karneval haben wir dann noch in der
Aldea verbracht. Karneval in der Aldea bedeutet zum einen die Wahl zur
Karnevalskönigin (diese fand jedoch schon am Sonntag statt, wo wir leider noch
nicht von unserer Reise zurück waren),
zum anderen aus Wasserbombenkriegen und Schlammschlachten. Ich habe den
Dienstag also damit verbracht mit den Kindern mit Wasserbomben bewaffnet um die
Häuser zu schleichen und uns gegenseitig in Schlammlöcher zu schubsen. Wir
waren danach zwar alle von oben bis unten mit Schlamm und Farbe bedeckt aber es
hat wahnsinnigen Spaß gemacht :D
Nun bin ich schon wieder seit drei Wochen hier in der
Aldea und der Alltag hat mich wieder ;) Die letzten Wochen waren ziemlich
anstrengend, da meine Tia im Krankenhaus war und die Ersatztia nicht wirklich
gut mit den Kindern zurecht gekommen ist. Ich habe die meiste Zeit damit
verbracht, irgendwie Ordnung in das Caos reinzubringen, Kinder anzuschreien,
sie dazu zu bringen ihre Aufgaben und Hausaufgaben zu erledigen, mit ihnen zu
lernen und darauf zu hoffen das sie auf mich hören werden ;)
Jetzt ist meine Tia zum Glück wieder da, da sie sich aber
immer noch schonen muss, versuche ich ihr möglichst viel Arbeit abzunehmen,
wecke jetzt zum Beispiel immer in der Früh die Kinder, mache das Frühstück und
putze das Bad. Langeweile habe ich also nicht, dafür fühlt sich das Gefühl
Verantwortung zu tragen und wirklich gebraucht zu werden wirklich schön an!
Sarah und ich haben jetzt außerdem angefangen zweimal die
Woche mit den Ältesten einen Englischkurs zu machen und an zwei Vormittagen mit
den Kleinsten eine Kindergruppe zu veranstalten. Es sind ca. 10 Kinder im Alter
von 1 – 3 Jahren mit denen wir spielen, malen, kneten und andere Aktivitäten
machen. Die Idee dabei ist, die Kinder aus den Häusern zu holen und zu
beschäftigen, um dadurch den Tias ein wenig freie Zeit zu verschaffen. Länger
als eine Stunde halten die Kleinen zwar meistens nicht durch, aber das ist bei
dem Alter ja auch normal.
Aus unseren geplanten Projekten „Mülltrennung“ und
„Streichen der Bibliothek“ ist bis jetzt leider noch nichts geworden, da wir
immer noch auf die Materialien warten, die uns vom Büro der Aldea versprochen
worden. Mal schauen wann sie endlich bei uns ankommen, aber wir haben ja noch 5
Monate Zeit ;)
| Kinderschminken |
| Franz und Dayana |
| Limbert :D |
| Valentina beim Händewaschen - ungefähr eine viertel Stunde lang ;)) |
| Händewaschen :DD |
| Dayana |
| Efren |
Ich möchte mich hier auch einmal ganz fest bei allen
Spendern bedanken, die mich bei meinem Jahr unterstützen und mir diesen
Aufenthalt ermöglichen!! Vielen vielen Dank an euch alle!!!
Ganz besonders möchte ich mich auch bei Herrn Unger
bedanken, der organisiert hat, dass die Spenden vom Weihnachtskonzert in Kareth
für mein Frewilligenjahr und mein Projekt verwendet werden. Außerdem bei meiner
Oma, die ihre Geburtstagsgelder Sarah und mir spendet und die wir für
Materialien und andere Aktionen, wie z.B. den „Té de Tias“ verwenden können.
Muchisimas
Gracias! J

Nuschka, die Fotos sind traumhaft schön und deine Erzählungen auch!
AntwortenLöschenSaudade <3