Sonntag, 8. März 2015

Wir haben nichts zu verlieren und eine ganze Welt zu sehen!

Ich sitze gerade vor meinem Haus, da es hier immerhin ein wenig kühler als in meinem einer Sauna ähnelndem Zimmer ist, höre Musik und lasse mich von einem meiner Mädels, Natalia, frisieren.
Seit meinem letzten Blogeintrag ist schon wieder ein Monat vergangen, die Zeit verfliegt einfach nur so. In der Zwischenzeit ist schon wieder so viel passiert.
Zum einen hatten wir unser „Halbjähriges“, ich bin jetzt mittlerweile schon seit über einem halben Jahr hier am andern Ende der Welt – kaum zu glauben!!
Vom 01.02 bis zum 07.02 hatte ich mein Zwischenseminar. Es war so schön all die andern Freiwilligen und vor allem auch Klaus und Ewa (zwei unserer Leiter) wiederzusehen und zu sehen, wie sie sich alle verändert haben. Die meisten hatte ich ja schon seit über einem halben Jahr nicht mehr gesehen gehabt!
Das Seminar ging über eine Woche und hat in Tarata, einem kleinen Dorf in der Nähe von Cochabamba, in einem wunderschönen Kloster stattgefunden. Neben zwei Ausflügen nach Cochabamba, bei denen wir uns die Projekte der Freiwilligen dort anschauen konnten, durch die Stadt gebummelt sind, shoppen waren, den Christo bestiegen und den Flair der Stadt genossen haben, haben wir die Zeit vor allem zum Reden genutzt. Wir hatten Gelegenheit einfach mal zu reflektieren was im letzten halben Jahr eigentlich so alles passiert ist, an schönen wie auch an unschönen Ereignissen, über alles zu reden, Probleme zu besprechen und zu diskutieren und sich über alles auszutauschen. Es war wirklich eine wunderschöne, interessante und auch sehr intensive Woche, bei der ich vor allem auch gemerkt habe, wie glücklich ich mich schätzen kann, dass es mir hier in meinem Projekt so gut geht und ich außer kleineren Problemen nie größere Schwierigkeiten hatte. Das ist wirklich keine Selbstverständlichkeit!

Die ganze Truppe :)

In Tarata

Beim Arbeiten


Am Christo in Cochabamba


Nach dieser Woche mussten wir uns leider fürs Erste wieder verabschieden, von einigen nur für ein paar Wochen, von anderen für ein weiteres halbes Jahr. Zurück in die Aldea gekehrt sind Sarah und Ich aber trotzdem noch nicht, stattdessen sind wir mit Marleen, einer anderen Freiwilligen, noch eine Woche zusammen rumgereist und haben ein wenig den Westen Boliviens kennengelernt. Das gleiche Land und doch so anders!!
Ich lebe ja im Osten Boliviens, im sogenannten Tiefland, wo es immer grün und die meiste Zeit auch brütend heiß ist.
Unsere eine Woche Urlaub haben wir jedoch im Hochland verbracht. Man merkt die Unterschiede sofort, zum einen ist die Landschaft ganz anders, man ist viel höher, auf 3000 - 5000 Meter, die Berge sind kahler, es wachsen andere Pflanzen, man trifft auf viel mehr Schafe, Esel und Lamas, die Sprache verändert sich und man begegnet viel mehr Menschen, denen man die indigene Herkunft ansehen kann.

Begonnen haben wir unsere Reise in La Paz, dem Regierungssitz Boliviens. La Paz liegt mitten in den Bergen und besteht aus einem Wirrwar aus Häusern die sich über verschiedene Hügelkuppen erstrecken. Ich habe noch nie in meinem Leben so eine Stadt gesehen, mitten in einem Stadtteil ragt plötzlich eine Bergflanke empor, es gibt kaum gerade Straßen, was dazu führt das eine Stadterkundung, vor allem auch noch auf 3000-4000 Metern zu einem wirklich anstrengenden und kräftezehrenden Vergnügen werden kann. Zum Glück gibt es jedoch seit 1 Jahr mehrere Seilbahnen, die über La Paz hinwegverlaufen und die verschiedenen Stadtteile verbinden. Die Bolivianer nutzen sie um schnell und leicht zur Arbeit zu kommen, wir haben sie zum Sightseeing verwendet J Ich glaube wir sind fast 2 Stunden einfach nur hin und her gefahren und haben die Aussicht bestaunt, bis es dann plötzlich angefangen hat zu regnen und zu stürmen und wir plötzlich festgestellt haben, das Gondeln doch ziemlich wackelige Gebilde sind und bei der nächsten Haltestelle lieber wieder ausgestiegen sind..:))
Ansonsten haben wir vor allem das viele Kunsthandwerk bestaunt, die wunderschönen Ledertaschen und bunten Stoffe. Da es wahnsinnig kalt war, haben wir uns auch gleich mal mit Alpakapullis eingedeckt ;)
Für uns ein Highlight war auch der Besuch bei einem Schweizer Restaurant wo wir köstliche Spätzle und Rösti gegessen haben – Himmlisch :D

wunderschöne Alpakapullis

Marleen :D

Blick auf La Paz von der Gondel aus


Weiter ging es dann nach Copacabana. Die kleine Stadt liegt am Titicacasee, dem zweitgrößten See Südamerikas und dem höchstgelegenen beschiffbaren See der Erde. Es schaut einfach wunderschön aus: der tiefblaue glitzernde See, eingebettet zwischen kahlen Hügelkuppen und im Hintergrund lassen sich schneebedeckte Gipfel erahnen.
Am schönsten war der Ausflug zur „Isla del Sol“ (Sonneninsel). Die Insel ist eine der heiligen Inseln, nach einer Inka-Legende setzte der Schöpfergott Con Tici Wiracocha hier seine Kinder Manco Capac und Mama Ocllo aus, die von dort auszogen um das Inkareich zu gründen. Überall auf der Insel kann man die Spuren der Inkas sehen. Wir sind mit einem Boot im Norden der Insel angelangt, haben mit einem Führer alte Tempelruinen und heilige Felsen besucht und sind dann 4 Stunden über die Kuppen bis zum Süden der Insel gelaufen. Eine wunderschöne Wanderung, bei der man fast den ganzen Weg eine atemberaubende Aussicht auf den Titicacasee hatte!






Eine Cholita beim Holzsammeln


Inkaruinen


Die letzte Etappe unserer Reise war der Karneval von Oruro. Dieses Ereignis zieht jedes Jahr Tausende von Besuchern an und findet über mehrere Tage hinweg statt. Dabei wird die Vertreibung des Teufels Wari durch die Göttin Ñusta durch verschiedene typisch folklorische Tänze (wie z.B. Caporales, Mirenada, Tinku) und Riten dargestellt. Die Tänzer, die oft ihr ganzes Leben daran teilnehmen, tragen die aufwendigsten und farbenprächtigsten Kostüme, die von kurzen Röcken, Glitzer und Federn bis hin zu Bärenkostümen reichen. Bei einigen Tänzen wie dem „Waka Waka“ tragen die Frauen 12 schwere Röcke übereinander und müssen damit mehrere Stunden lang tanzen!
Wir haben bei der „Entrada“, also der Eröffnung, am Faschingssamstag zugeschaut und die Köstüme der Tänzer bewundert, den verschiedenen Tänzen zugeschaut, an Schaumkriegen teilgenommen und uns von der guten Laune aller Anwesenden anstecken lassen. Es war wirklich ein genialer Tag!!!








Schaumkrieg :D

Becci und Ich


Sarah, Annika, Johanna, Becci, Ich, Michelle

Die letzten zwei Tage Karneval haben wir dann noch in der Aldea verbracht. Karneval in der Aldea bedeutet zum einen die Wahl zur Karnevalskönigin (diese fand jedoch schon am Sonntag statt, wo wir leider noch nicht von unserer Reise zurück  waren), zum anderen aus Wasserbombenkriegen und Schlammschlachten. Ich habe den Dienstag also damit verbracht mit den Kindern mit Wasserbomben bewaffnet um die Häuser zu schleichen und uns gegenseitig in Schlammlöcher zu schubsen. Wir waren danach zwar alle von oben bis unten mit Schlamm und Farbe bedeckt aber es hat wahnsinnigen Spaß gemacht :D
Nun bin ich schon wieder seit drei Wochen hier in der Aldea und der Alltag hat mich wieder ;) Die letzten Wochen waren ziemlich anstrengend, da meine Tia im Krankenhaus war und die Ersatztia nicht wirklich gut mit den Kindern zurecht gekommen ist. Ich habe die meiste Zeit damit verbracht, irgendwie Ordnung in das Caos reinzubringen, Kinder anzuschreien, sie dazu zu bringen ihre Aufgaben und Hausaufgaben zu erledigen, mit ihnen zu lernen und darauf zu hoffen das sie auf mich hören werden ;)
Jetzt ist meine Tia zum Glück wieder da, da sie sich aber immer noch schonen muss, versuche ich ihr möglichst viel Arbeit abzunehmen, wecke jetzt zum Beispiel immer in der Früh die Kinder, mache das Frühstück und putze das Bad. Langeweile habe ich also nicht, dafür fühlt sich das Gefühl Verantwortung zu tragen und wirklich gebraucht zu werden wirklich schön an!
Sarah und ich haben jetzt außerdem angefangen zweimal die Woche mit den Ältesten einen Englischkurs zu machen und an zwei Vormittagen mit den Kleinsten eine Kindergruppe zu veranstalten. Es sind ca. 10 Kinder im Alter von 1 – 3 Jahren mit denen wir spielen, malen, kneten und andere Aktivitäten machen. Die Idee dabei ist, die Kinder aus den Häusern zu holen und zu beschäftigen, um dadurch den Tias ein wenig freie Zeit zu verschaffen. Länger als eine Stunde halten die Kleinen zwar meistens nicht durch, aber das ist bei dem Alter ja auch normal.
Aus unseren geplanten Projekten „Mülltrennung“ und „Streichen der Bibliothek“ ist bis jetzt leider noch nichts geworden, da wir immer noch auf die Materialien warten, die uns vom Büro der Aldea versprochen worden. Mal schauen wann sie endlich bei uns ankommen, aber wir haben ja noch 5 Monate Zeit ;)

Kinderschminken

Franz und Dayana

Limbert :D

Valentina beim Händewaschen - ungefähr eine viertel Stunde lang ;))

Händewaschen :DD


Dayana

Efren

Ich möchte mich hier auch einmal ganz fest bei allen Spendern bedanken, die mich bei meinem Jahr unterstützen und mir diesen Aufenthalt ermöglichen!! Vielen vielen Dank an euch alle!!!
Ganz besonders möchte ich mich auch bei Herrn Unger bedanken, der organisiert hat, dass die Spenden vom Weihnachtskonzert in Kareth für mein Frewilligenjahr und mein Projekt verwendet werden. Außerdem bei meiner Oma, die ihre Geburtstagsgelder Sarah und mir spendet und die wir für Materialien und andere Aktionen, wie z.B. den „Té de Tias“ verwenden können.

Muchisimas Gracias! J

1 Kommentar:

  1. Nuschka, die Fotos sind traumhaft schön und deine Erzählungen auch!
    Saudade <3

    AntwortenLöschen