Samstag, 11. Juli 2015

Alltag, Wiedersehen & Reise in eine verwunschene Welt

Ich kann gar nicht glauben, dass schon wieder so viel Zeit seit meinem letzten Blogeintrag vergangen ist, aber es ist so viel passiert, dass ich ganz die Zeit vergessen habe…
Neben dem ganz alltäglichen wunderbaren Aldeawahnsinn war ich in den letzten Wochen vor allem auch viel mit Bewerbungen fürs Studium beschäftigt. Ich habe mich nach vielem Hin und Her dafür entschieden mich für Psychologie zu bewerben. Ich habe in diesem Jahr im Umgang mit den Kindern gemerkt wie sehr mich diese Fachrichtung interessiert, zu erfahren was uns Menschen prägt und uns dazu führt die Dinge zu tun, die wir tun, inwieweit wir von anderen Umständen beeinflusst werden…



Vor zwei Wochen hat eine Veränderung stattgefunden, die das ganze Kinderdorfleben ein wenig durcheinander gebracht hat. Von einem Tag auf den anderen wurde unserem alten Direktor gekündigt und wir haben seit dem eine neue Direktorin. Ich vermisse den alten „Dire“ ziemlich, da er im Laufe unseres Jahres hier eine Bezugs- und Vertrauensperson für mich geworden ist und ich mich immer gut mit ihm verstanden habe. Die neue Direktorin hat eine ganz andere Persönlichkeit und Vorgehensweise an Dinge als wir es von früher gewohnt sind, deswegen fällt es nicht leicht diesen Wechsel zu akzeptieren. Wir können nur hoffen, dass der Wechsel keine allzu großen Auswirkungen auf das Leben der Kinder innerhalb der Aldea haben wird und sich diese wunderbare Aldea nicht zu sehr ändern wird!

Ansonsten geht alles seinen gewohnten Alltag. Am 27 Mai haben wir den "Dia de la Madre" (Muttertag) gefeiert, in der Nacht gab es ein Fest mit allen Mitarbeitern der Aldea, bei dem gegessen, getanzt und getrunken wurde, bis in die frühen Morgenstunden. Davor hatten Sarah und ich einige Aktionen für die Hausmütter organisiert gehabt und haben mit ein paar Kids zwei in harter Arbeit einstudierte Tänze aufgeführt.

Don Mario, Tia Roswita, Sarah, Tia Enriqueta, Ich, meine Tia, Dire (von links nach rechts)


Essen mit allen Mitarbeitern


Die "Jury" beim Laufsteg der Tias

Unsere Laufstegmodel :)


Apfeltauchen

Eierlaufen

Beim Tanzen für ihre Tias

Am Dienstag Abend ist die gesamte Aldea San Jose nach Santa Cruz gefahren um dort der Ankunft des Papstes beizuwohnen. Auch wenn wir viele Stunden mit warten verbracht haben waren es aufregende und witzige Tage und wir haben den Papst sogar aus 10 Meter Entfernung sehen können. Für die Kinder war es vor allem schön mal etwas anderes zu sehen und Zeit mit den Kindern aus der Aldea in Santa Cruz verbringen zu können. Auch konnten sie ihre ehemaligen Hausgeschwister, die jetzt in den Residenzien in Santa Cruz leben, wiedersehen.


Papa Franciso

Warten auf den Beginn der Papstmesse


Maria Nela ;)

Carolina <3


Ende Juni ist meine ältere Schwester, Lea, die zurzeit in Brasilien ein Auslandspraktikum macht, für zwei Wochen zu Besuch gekommen. Ich hatte sie seit 10 Monaten nicht mehr gesehen gehabt, die Wiedersehensfreude war dementsprechend riesengroß J Die nächsten zwei Wochen waren wunderschön, wir haben es einfach so genossen wieder miteinander quatschen zu können, sich gegenseitig auf den neuesten Stand zu bringen und die Zeit zusammen zu genießen. Ca. eine Woche haben wir hier bei mir in der Aldea verbracht und Aktionen mit den Kids gemacht. Da es diesmal nur eine weiße Person und nicht 4 waren, wie damals als mich meine Familie besuchen gekommen ist, hatte Lea glaube ich noch besser die Gelegenheit alles kennenzulernen und vorübergehen ein „Teil“ der großen Kinderdorffamilie zu sein. Dabei war natürlich nicht von Nachteil dass wir uns (zumindest laut der Kids) unglaublich ähnlich sehen, manche waren sogar fest und steif davon überzeugt wir wären Zwillinge J Frans, der kleinste aus meinem Casa, hat Lea einfach „Hanna“ genannt – hatte er für zwei Wochen halt einfach mal zwei Hannas – sehr praktisch ;)

Schokofondue <3

Fabian

Natalia

Abigail und Junio





Sarah und Lea auf dem Weg zum Johannisfeuer (San Juan)

Johannisfeuer!!

mit Lea (und Maria Esther und Valentina)

Laufsteg ;)

Wer gewinnt..? :)


Junio

Herlan

mit Abigail, Aracely und Griselda

Maria Esther <3

Carlos Geburtstagsfeier

Que la muerda!! (Lasst ihn in die Torte beißen)

Frans (mit gebrochenem Arm)

Ausflug mit meiner Schwester und meinem Casa zum Turubo - "und wehe ihr hört nicht auf mich..";)





genialer Blick!




Lea <3


Eine Woche haben wir mit reisen verbracht, zusammen mit Sarah, Anne und Julia (die zwei Freiwilligen aus der Aldea in Santa Cruz) und Becci (eine Freiwillige aus Cochabamba). Es war eine unglaubliche Woche in der ich so viele einzigartige Sachen erlebt und gesehen habe!!
Zuerst ging es in ca. 22 Stunden Bus- und Autofahrt  nach Rurrenabaque. Rurrenabaque liegt im Norden Boliviens im Departamento Beni. Hier erstreckt sich der Madidi Nationalpark, der als einer der artenreichsten Nationalparks der Welt gilt. Die Kleinstadt ist vor allem deshalb so bekannt, da man von dort aus gut Touren ins Amazonasgebiet unternehmen kann. Auch wir haben eine Tour in die Pampas unternommen. 3 Tage lang haben wir die verzweigten Flussärmchen des Yacuma in einem Kanu zusammen mit unserem Guide Jose erkundigt, haben verschiedenste Vögel, Papageien, Tukane, Wasserschweine und Affen gesehen, hatten einen ca. 2 Meter langen Alligator als Haustier und haben eine „Baby-“ Anakonda (2 Meter lang) in der Hand gehalten – all das in einer atemberaubend schönen Landschaft. Einer meiner Höhepunkte war sicherlich als wir in dem braunen Flusswasser schwimmen gegangen sind, unter uns die Piranhas und wir darüber, nur 'beschützt' von den dort heimischen rosa Flussdelfinen. Einer von ihnen ist nur ca. einen Meter entfernt an uns vorbei geschwommen und später hat mich ein anderer von unten am Fuß angestupst... J










geteerte Straßen sind hier eher Seltenheit



Papageien


Rurrenabaque

los gehts!


angekommen im Paradies..:)






Unser Stelzenquartier für 2 Nächte - mitten im Nichts

Anne, Sarah, Becci und Ich



Sonnenuntergang..



unser Mitbewohner der unter den Stelzenhäusern hin und her geschwommen ist



Auf der Suche nach Anakondas :D

lieber weit von mir weg halten :P


Piranhas fischen - die Zähne sind echt rasiermesserscharf!


Schwimmen mit den..

..Delfinen!



Anschließend sind wir nach La Paz weiter gefahren, am Abgrund entlang, mit einem Bus, bei dessen Anblick wir uns gefragt haben ob wir jemals dort ankommen würden... Noch einmal würde ich diese Strecke nicht fahren wollen, aber es war ein Abenteuer!
In La Paz angekommen genossen wir die nächsten zwei Tage in der Stadt, schlenderten durch die Straßen und trafen auf dem Weg zum riesigen Markt in El Alto sogar auf das zdf-Fernsehteam!

Man beachte: der untere Teil vom Vorderbaus des Busses wurde abgenommen, damit er bei der Fahrt nicht kaputt geht

Markt auf El Alto

was für eine Aussicht über eine grandiose Stadt

Schwestern..<3


der Illimani im Hintergrund



So langsam rückt der Abschied immer näher, in nicht mal einem Monat werde ich schon wieder zu Hause in Deutschland sein! Dabei werde ich jedoch auch mein anderes, zweites „Zu Hause“ hinter mir lassen müssen und das kann ich mir einfach nicht vorstellen. Ich habe in diesem einen Jahr die Aldea mit all ihren Eigenschaften und Macken so tief in mein Herz geschlossen und so enge Bindungen zu den Menschen hier aufgebaut, wie ich es davor nicht für möglich gehalten hätte. Klar, ich freue ich mich unglaublich wieder auf Deutschland, doch trotzdem wird es mir so schwer fallen das alles hier zu verlassen. Ich werde auf jeden Fall meinen letzten Monat noch so gut wie es geht genießen!!

Kindergruppe


Dayana

Frans


Tia Enriqueta - man vergisst oft wie jung viele von den Tias eigentlich noch sind!

Herlan

neues Gemüse ist gekommen und wird nun auf die einzelnen Häuser aufgeteilt



Tia Roswita beim Brotbacken







mit meiner Tia und Tia Enriqueta beim Fest zu Ehren des Tages der Arbeit

1 Kommentar:

  1. Liebe Hanna,

    Dein Abschlussbericht hat mir gezeigt, dass du eine sehr große Gabe hast zu Beobachten, zu Reflektieren und zu Formulieren. Und das mit einer enormen Achtsamkeit gegenüber den Menschen, über die du schreibst und Dir Gedanken machst. Ich bin sehr beeindruckt! Und immer wieder neu stolz auf so eine tolle Nichte. Auf ein baldiges Wiedersehen. Christina

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